3 Tools mit denen du deine Seitenladezeit wirklich richtig misst

Wie schnell lädt meine Seite? Das ist eine der zentralen Fragen bei der Performance-, UX- und der Suchmaschinenoptimierung. Bei der Beantwortung dieser Frage solltest du dich auf die richtigen Tools verlassen. Denn nur wenige Werkzeuge liefern wirklich gute Daten. Ich stelle dir heute die drei leistungsfähigsten vor und zeige, wie du eines davon, Pingdom, benutzt.

Im Netz gibt es einige tolle Übersichtsartikel über Werkzeuge, mit denen jeder Nutzer sehr leicht und vor allem kostenlos die Leistungsfähigkeit und die Ladezeit der eigenen Website messen kann. Diese Übersichten sind sehr hilfreich, begehen jedoch häufig einen Fehler, der bei Usern zu mehr Verwirrung als Klarheit führen kann. Sie vergleichen nämlich zwei bis drei komplett unterschiedliche Arten von Tools miteinander und gehen teils nicht ausführlich genug auf die Unterschiede ein.

Das kann dann dazu führen, dass User versuchen Performancevergleiche mit völlig ungeeigneten Daten vorzunehmen. Schade, denn wer mit den richtigen Werkzeugen misst, spart sich viel Zeit und Ärger.

Einen Unterschied sollte jeder Nutzer kennen, der die Performance seiner Seite messen möchte: Den Unterschied zwischen Potenzialanalysen und solchen Tools, die die Ladezeit einer Website messen. Zur ersten Gruppe gehören Tests wie Google PageSpeed Insights und Yahoos YSlow. Diese Werkzeuge geben an, wie gut die getestete Website die Voraussetzungen für einen schnellen Seitenaufbau erfüllt. Beide liefern somit hervorragenden Input für eine Onpage-Optimierung. Solche Tests messen jedoch explizit nicht die Ladezeit deiner Webseite.

Meist möchtest du aber genau das wissen: Wie lange braucht meine Seite, bis sie aufgebaut ist, bis der Kunde mit ihr interagieren kann, bis ich Geld verdiene? Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Unseres Wissens nach gibt es eigentlich nur drei kostenlose Tools, die hier richtig gute Daten liefern:

Daher werde ich in diesem und zwei weiteren Artikeln zeigen, was die drei Messwerkzeuge können, wie du sie bedienen und die Daten interpretieren musst, damit du das Maximum aus den Messungen herausholen kannst.

Drei Eigenschaften machen ein Messtool besonders wertvoll: Einstellungsmöglichkeiten, Detailgrad der Messung und Vielfalt der Daten

Die von mir genannten Tools sind deswegen so gut, weil sie besonders wertvolle Daten liefern. Das bedeutet, dass die Messergebnisse:

  • Durch verschiedene Einstellungsmöglichkeiten angepasst werden können.
  • In einem hohen Detailgrad ausgegeben werden.
  • Aus den Ergebnissen mehrerer Messmethoden bestehen, die verglichen werden können.

In der Praxis heißt das, dass du bei einem guten Messwerkzeug einstellen kannst, wie es die Ladezeit der Website misst. Das ist meist die Wahl des Testservers und dessen Standorts und manchmal auch die Auswahl des Testbrowsers.

Mit dem Detailgrad der Daten ist gemeint, dass nicht nur einfach Zeitangaben ausgegeben werden, sondern ausführlich beschrieben wird, was eigentlich gemessen wurde. Zwei Tools können unter “Ladezeit” durchaus etwas Anderes verstehen. Noch besser ist natürlich, wenn vereinheitlichte Begriffe verwendet werden, wie Time to First Byte.

Und schließlich ist es gut, wenn nicht einfach nur die Ladezeit deiner Webseite gemessen wird, sondern gleichzeitig auch Infos zur Anzahl der HTTP-Requests, zur Größe der geladenen Datenpakete oder auch die Ergebnisse von Potenzialanalysen ausgegeben werden. So kannst du nämlich schnell sehen an welchen Stellschrauben du drehen kannst, um die Ladezeit zu optimieren.

Andere uns bekannte Tools bieten solche Möglichkeiten nur eingeschränkt oder gar nicht und können daher zu Verständnis- und damit zu Interpretationsproblemen führen. Für dich als Endnutzer bedeuten diese Vorteile jedoch einen entscheidenden Nachteil: Die Daten sind bei Weitem nicht so leicht zu verstehen, wie bspw. die Ergebnisse von Google PageSpeed Insights.

Messdaten sind nicht immer leicht zu lesen – mit einigen Grundlagen aber immer zu verstehen

Der abschreckendste Part ist hierbei sicherlich das sogenannte Wasserfalldiagramm. Doch gerade dieses liefert besonders wichtige Daten. Daher lohnt es sich, wenn du dich einmal genau mit der Diagrammart auseinandersetzt.

In diesem Post werde ich nun zunächst Pingdom näher erklären. Ein Tool, das besonders schnell sehr aufschlussreiche Infos zu deiner Seite liefern kann und eben auch die Ladezeit deiner Webseite misst.

Ladezeit Website messen mit Pingdom. Hier die Eingabemaske.
Eingabemaske von Pingdom. Dieses Tool ist eines von dreien, das unserer Meinung nach wirklich gute Ergebnisse liefert und vor allem die Ladezeit deiner Website misst.

Pingdom zeigt besonders schön in welcher Reihenfolge deine Seite aufgebaut wird und wie groß die einzelnen Bausteine sind

Pingdom ist schnell und sehr einfach zu bedienen. Im Prinzip musst du nur zwei Dinge tun:

  • zuerst gibst du die zu testende Domain ein
  • danach wählst du den Serverstandort aus

Der Serverstandort ist – neben der Wahl des zu testenden Browsers – eine der wichtigsten Einstellungen, um nachvollziehen zu können wie und wie schnell sich deine Seite für Kunden aus verschiedenen Regionen aufbaut. Bei solchen Tests gibt der Serverstandort an, von welchem Ort aus deine Website für die Geschwindigkeitsmessung aufgerufen wird.

Achte vor allem bei Performancevergleichen immer darauf denselben Serverstandort zu verwenden. Nur so kannst du die Ergebnisse auch vergleichen. Denn wird die Ladezeit deiner Webseite einmal aus den USA und einmal aus Frankfurt gemessen, werden sich die Ladezeiten für einen Besucher aus Deutschland deutlich unterscheiden.

Ladezeit Website messen Pingdom Auswahlmöglichkeiten für den Testserver
Auswahlmöglichkeiten für den Testserver des Pingdom Tests.

Wenn du den Test startest, werden dir nach wenigen Augenblicken drei große Datenpakete ausgeworfen:

  1. Übersicht und das Ergebnis der Potenzialanalyse
  2. Detailaufschlüsselung der Seite
  3. Wasserfalldiagramm

Gleich zu Beginn werden die drei wichtigsten Eckdaten für das Verständnis der Performance deiner Seite ausgegeben:

  • die Note der Potenzialanalyse (1)
  • die Ladezeit der Seite (2)
  • die Anzahl der HTTP-Requests (3)

Ladezeit Website messen Pingdom Übersichtsergebnis
Übersichtsergebnis von Staging

Die Bewertung bezieht sich angeblich auf Google PageSpeed Insights. Bei allen unseren Tests war dieser Wert bisher aber verzerrt (im konkreten Fall 15 Punkte unter der Originalwertung und auch deutlich unter der Wertung für mobile Geräte) und damit unbrauchbar.

Die Ladezeit (2) der Seite ist die zentrale Größe mit der beispielsweise Performancevergleiche gemacht werden können. Sie ist die direkte Antwort auf die Frage: Wie schnell lädt meine Seite. Auch die Zahl der HTTP-Requests (3) eignet sich gut für solche Vergleiche. Hier gilt: Je weniger HTTP-Requests, desto besser.

Ein netter Zusatz ist die “Faster than”-Komponente (4). Diese gibt in unserem Fall an, dass raidboxes.de schneller ist als 75% der anderen bei pingdom getesteten Seiten. Diese Info kann der ungefähren Verortung dienen. Wenn dir z.B. angezeigt wird, dass deine Seite schneller lädt als 95 Prozent der anderen Seiten, dann ist das schon ein erstes Indiz dafür, dass deine Seite verdammt schnell ist.

Ebenfalls zur Übersicht gehört der Abschnitt “Performance Insights”. Hier bekommst du zu verschiedenen performance-relevanten Aspekten deiner Seite Bewertungen und Lösungsvorschläge präsentiert. Ganz ähnlich wie bei den Tools von Google oder Yahoo. Wichtig für das Verständnis ist: Hier wurde nicht die Ladezeit der Website gemessen, sondern das Potenzial für die Optimierung der Ladezeit.

Pingdom Pontezialanalyse Ladezeit Website messen
Als zweiten Teil der Ladezeitmessung gibt pingdom auch diese Potenzialanalyse aus.

Der zweite Abschnitt ist die Detailaufschlüsselung der Seite. Hier erhältst du vor allem Infos über zwei zentrale Eigenschaften: Die Funktionsfähigkeit der Einzelseiten und die Zusammensetzung der Seite.

Im Bereich, den du unten siehst würdest du beispielsweise alle 404er Fehler deiner Seite angezeigt bekommen. In unserem Testfall kannst du hier sehen, dass 69 Antworten des Servers an den Browser ganz normal stattgefunden haben. Zwei dieser Anfragen wurden weitergeleitet.

Pingdom Weiterleitungen Ladezeit Website messen
Pingdom überprüft auch wie viele Weiterleitungen, 400er und 500er Fehler von deiner Seite produziert werden.

In den untenstehenden Bereichen werden die HTTP-Requests und der Inhalt deiner Seite nach Typ und Quelle aufgeschlüsselt. So erkennst du schnell, ob eine bestimmte Art von Inhalt, beispielsweise die Bilder, besonders viel Platz verbrauchen oder besonders viele Requests produzieren und deine Seite damit ausbremsen.

In unserem Fall nehmen die Skripte besonders viel Platz ein und verursachen viele Anfragen. (1+2) Das liegt vor allem an unserem Supporttool, Intercom, dem Trusted Shops Badge und Anfragen der Seite selber. (3) Im Zusammenspiel mit den Request kann man auch erkennen: Die Anfragen, die von intercom gesendet werden, beziehen sich auf besonders große Datenpakete. (4)

Pingdom Datenpakete Ladezeit Website messen
Aufschlüsselung der Seite nach Requests und Größe der Datenpakete.

Das Wasserfalldiagramm zeigt dir nun en détail in welcher Reihenfolge die Requests ablaufen und wie lange die Requests jeweils zum Laden benötigen. Das heißt, dass das Wasserfalldiagramm eine Detailansicht der Ladezeit deiner Website ist.

Zudem findest du ganz am Ende der Testergebnisse eine Legende, die dir erklärt, was die Symbole und Farben bedeuten.

In unserem Fall siehst du ganz oben den Redirect von http auf https (1), danach den ersten Kontakt mit dem Server (2) und dann die Ladezeiten der einzelnen Skripte (3).

Wasserfalldiagramm pingdom Ladezeit Website messen
Das Wasserfalldiagramm von pingdom.

Pingdom bietet auch die Möglichkeit sich genau anzeigen zu lassen welche Teile eines Requests wie lange laden. Somit lässt sich beispielsweise die Time to First Byte (also die Zeit, die der Server benötigt, bis das erste Datenpaket gesendet wird) ermitteln, du musst sie allerdings aus den Einzelwerten zusammensuchen.

Ein Beispiel: Wenn du den ersten Request unserer Seite betrachtest, dann siehst du, dass dieser insgesamt 129 Millisekunden lang ist. Er besteht aus einem DNS-Lookup, der unter einer Millisekunde erledigt ist, einem sog. SSL-Handshake, der 29 Millisekunden dauert, dem Verbindungsaufbau des Browsers zum Server, der 52 Millisekunden dauert, dem Senden der Daten vom Browser zum Server, einer Wartezeit von 47 Millisekunden und schließlich dem Empfang der ersten Daten.

Wasserfalldiagramm Detailansicht Ladezeit Website messen
Detailansicht des Wasserfalldiagramms. Möchtest du die Ladezeit deiner Website messen, kannst du hier ganz genau ablesen, wie lange bestimmte Datenpakete zum Laden benötigen.

 

In der angegebenen Wartezeit, berechnet der Server alle nötigen PHP-Prozesse. Dieser Wert ist also gut geeignet, wenn du zwei Hostinganbieter vergleichen möchtest.

Auf diese Weise kannst du dir jeden einzelnen Request ansehen und ihn mit einem anderen Messwert vergleichen. So bestimmst du, ob sich die Ladezeit deiner Seite nach einer Optimierungsmaßnahme verbessert hat und wenn ja um welchen Faktor.

Vorteile: Pingdom liefert sehr schnell relevante Daten, mit hohem Informationswert

Insgesamt ist pingdom ein gutes Werkzeug, um die Ladezeit einer Website zu messen. Du erkennst mit pingdom schnell:

  • wie schnell eine Seite lädt
  • wie groß sie ist
  • wo sie noch Optimierungspotenzial hat
  • wie sich dieses Potenzial nutzen lässt
  • wie der Aufbau deiner Seite abläuft

Nachteile: Besonders die Angabe der Ladezeit ist sehr ungenau

Zwei wichtige Einschränkungen hat das Tool jedoch: Zum einen stehen nur sehr wenige Serverstandorte zum Test bereit. Das ist zwar nicht per se ein Nachteil, denn wenn man immer mit demselben Server misst, sind die Ergebnisse einwandfrei vergleichbar. Genau darauf solltest du bei der Verwendung aber unbedingt achten. Ebenso solltest du einen Serverstandort wählen, der möglichst in der Nähe deiner Hauptbesuchergruppe liegt.

Zum anderen wird die Ladezeit der Seite nur aggregiert ausgegeben. Das heißt du erkennst nicht, auf welchen Wert sich die 1,84 Sekunden aus dem Beispiel beziehen, ohne ins Wasserfalldiagramm zu schauen. Auch wird nicht zwischen der gecachten und ungecachten Version der Seite unterschieden.

Der wahrscheinlich größte Nachteil von Pingdom ist aber, dass du die gefühlte Ladezeit nicht erkennen kannst. Denn unter Umständen lädt deine Seite zwar zehn, zwölf oder dreizehn Sekunden, wirkt aber bereits nach drei Sekunden so, als sei sie komplett geladen. Deine Seite würde somit als deutlich schneller wahrgenommen, als sie ist. Pingdom bietet jedoch keine Möglichkeit diese gefühlte Ladezeit anzuzeigen (wohlgemerkt in der kostenlosen Variante). Das können GTmetrix und webpagetest.org besser.

Pingdom kann dir schnell die oft wichtigste Frage beantworten: Wie schnell lädt meine Seite? Zudem verrät das Tool viel über deine Seitenstruktur. Es geht aber noch besser! Im nächsten Teil dieser Reihe werde ich näher auf GTmetrix eingehen. Dieser Test liefert noch mehr Daten und kann vor allem durch eine Videofunktion und eine Zeitreihenanalyse deiner Seitenladezeit überzeugen.

Mit welchen Tools hast du bisher die besten Erfahrungen bei der Performanceanalyse gemacht?

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