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Page Builder: Fluch oder Segen für die WordPress-Welt?

Page Builder erfreuen sich seit Jahren größter Beliebtheit. Die Gründe dafür sind klar, schließlich bringen jene Website Builder einige Vorteile mit sich. Doch die Nachteile von Elementor, Visual Composer und Co. werden oftmals ganz außer Acht gelassen.

WordPress Page Builder sind aus der WordPress-Welt fast gar nicht wegzudenken. Im Feature-Wettrüsten der Anbieter von WordPress-Themes gilt der Einsatz eines Page Builders schon fast als absoluter Standard.

Ich selbst bin jedoch zwiegespalten, was den Einsatz solcher Helferlein betrifft. Im Rahmen meiner Arbeit konnte ich schließlich nicht nur einige der bekanntesten Page Builder auf Herz und Nieren testen, sondern musste diesbezüglich auch einige Probleme bei Kunden lösen.

Was ist überhaupt ein Page Builder?

Ein sogenannter Page Builder kommt in der Regel als WordPress-Plugin daher. Es ist quasi ein “Baukasten” für Inhalte deiner Website, in dem du einzelne Elemente per Drag & Drop an gewünschte Stellen schieben und mit eigenem Inhalt befüllen kannst. Typische Elemente sind dabei nicht nur Textboxen oder Bilder, sondern auch Slider, Portfolio-Elemente oder gar ganze Blog-Ansichten. Solche Page Builder waren Vorbild des neuen Gutenberg-Editors und ähneln diesem deshalb in der Bedienweise und den Funktionen sehr.

Bekannte Namen auf dem Page Builder Markt

Fast jedem WordPress-Nutzer wird mindestens ein Page Builder sicherlich bekannt sein. Der Markt ist heiß umkämpft und wird von einigen großen Namen dominiert. Für viele Webseitenbetreiber ist ein solches Baukasten-Plugin gar nicht wegzudenken.

Einige der bekannten Namen sind:

WPBakery Page Builder

Der WPBakery Page Builder (ehemals Visual Composer) ist einer der wohl verbreitetsten Page Builder in der WordPress-Welt. Erwerben kannst du ihn auf Codecanyon, fast 400.000 Verkäufe zählt jenes Plugin. In vielen Fällen kommt der WPBakery Page Builder als Bestandteil zahlreicher WordPress-Premium-Themes kostenlos daher. Der Entwickler selbst spricht davon, dass das Plugin auf über 2 Millionen WordPress-Websites genutzt wird.

Die Lizenz für die Nutzung des Baukasten-Plugins auf einer Website kostet einmalig 64 US-Dollar. Zukünftige Updates sind inklusive.

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Visual Composer

Ganz schön verwirrend: Heute findest du unter dem Namen Visual Composer weiterhin ein Baukasten-System für WordPress-Websites. Es hat mit dem einstigen Page Builder mit gleichem Namen aber nicht viel zu tun. Während du mit dem WPBakery Page Builder lediglich den Inhaltsbereich deiner WordPress-Website bearbeiten kannst, bietet dir der Visual Composer Individualisierungsmöglichkeiten der gesamten Website inklusive Header und Footer.

Der Entwickler lockt mit einer kostenlosen Version der WordPress-Erweiterung. Premium-Features gibt es aber einer jährlichen Gebühr von 59 US-Dollar.

Elementor

Elementor wird von zahlreichen WordPress-Fans als der neue Star unter den Page Buildern gesehen. Und tatsächlich, die Downloads des WordPress-Plugins steigen besonders seit 2019 raketenschnell. Nutzer loben hier vor allem die intuitivere Bedienung im Vergleich zum WPBakery Page Builder.

elementor pro features
Elemente der kostenpflichtigen Pro-Version des WordPress Page Builders Elementor.

Der Entwickler spricht von über 3 Millionen aktiven Installationen in über 180 verschiedenen Ländern. Damit liegt das Plugin sogar vor dem einstigen Platzhirsch von WPBakery. Gestartet werden kann mit einer kostenlosen Variante. Mehr Features gibt es ab 49 US-Dollar im Jahr.

BeaverBuilder

Der Baukasten mit dem Biber als Maskottchen braucht sich ebenso nicht zu verstecken, auch wenn er im Vergleich zu den anderen Plugins doch etwas weniger bekannt ist. Der Entwickler wirbt mit über eine Million aktiver Installationen.

Der Funktionsumfang ist ähnlich wie bei den anderen Page Buildern. Los geht es ab 99 US-Dollar, Updates des BeaverBuilders sind dann ein Jahr inklusive.

Drei große Vorteile von Page Buildern

Natürlich gibt es zahlreiche Gründe, warum sich jene WordPress Builder so großer Beliebtheit erfreuen. Ich habe einige Pro-Argumente zusammengefasst.

Einfache Bedienung

Baukasten-Plugins wie Elementor richten sich sowohl an fortgeschrittene WordPress-Nutzer als auch an absolute Anfänger. Dank der einfachen Bedienung und den selbsterklärenden Funktionen ist es ganz einfach, eine WordPress-Website ganz nach eigenem Wunsch zu kreieren. Hintergrundwissen in HTML, CSS oder gar PHP sind schlichtweg nicht notwendig, solange man sich an die vorgegebenen Funktionen hält.

Änderungen an der eigenen Website bedürfen nicht etwa einen externen Dienstleister, sondern können selbstständig einfach und schnell umgesetzt werden. Gerade für unerfahrene Nutzer ist dies ein absoluter Vorteil.

Großer Funktionsumfang

Page Builder sind echte Multifunktionswerkzeuge. Selbst aus einfachsten WordPress-Templates kann so mit Hilfe eines Page Builders ein echter Tausendsassa gemacht werden. Einmal installiert, stehen dem Nutzer nahezu unbegrenzte Möglichkeiten zur Verfügung, die eigene Website aufzubauen. Die Entwickler von Elementor bieten so direkt über 300 vorgefertigte Templates, die sich mit eigenen Inhalten befüllen und individualisieren lassen.

wpbakery frontend editor
Moderne Page Builder wie WPBakery bieten nicht nur das Bearbeiten der Inhalte im Backend, sondern auch direkt im Frontend an.

Page Builder bringen damit fast alles mit, was sich nicht nur WordPress-Anfänger, sondern auch fortgeschrittene Nutzer wünschen. Simple Unternehmenswebseiten, moderne Blogs und schicke Portfolio-Seiten sind so ganz ohne zusätzliches Plugin in wenigen Klicks umsetz- und individualisierbar.

Günstiger Preis

Die zuvor genannte Einfachheit und der große Funktionsumfang der WordPress Page Builder ermöglicht es, eine hochwertige Website in kürzester Zeit zu erstellen. In vielen Fällen, in denen zuvor noch ein Freelancer oder gar eine ganze Webdesign-Agentur notwendig war, reicht nun ein modernes WordPress-Theme mitsamt Page Builder und etwas Zeit.

Wem zuvor aufgrund mangelnder finanzieller Mittel eine moderne Website mit konkurrenzfähigem Funktionsumfang verwehrt blieb, findet nun dank WordPress Page Builder eine akzeptable Lösung. Die Kosten für eines der Baukasten-Plugins sind gering – im Vergleich zu einer individuellen Lösung durch einen externen Entwickler absolut nicht der Rede wert.

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WordPress Page Builder – die größten Nachteile

Neben den eben erwähnten Vorteilen der Page Builder für WordPress, bringen die Website-Baukästen natürlich auch einige Nachteile mit sich, die ich bei meiner Arbeit selbst erfahren habe. 

Trügerische Einfachheit

Wie wir bereits gelernt haben, ist es dank der beliebten Page Builder ist es ein Leichtes, ohne großes Hintergrundwissen eine hübsche WordPress-Website zu erstellen. Dabei erfordert der Betrieb einer Website dennoch Expertise und notwendige Vorkenntnisse. Mit wenigen Klicks lässt sich eine Website schließlich nicht nur kaputt machen, sondern im schlimmsten Fall sind dann auch sensible Daten – beispielsweise in Form von Kundendaten eines Online-Shops –  in Gefahr.

Gerade diese Einfachheit ist es, die dafür sorgte, dass immer mehr selbsternannte Webdesigner auf dem Markt ihre Dienstleistungen feilboten. Diese können zwar mittels Page Builder durchaus attraktive Internetseiten zusammenklicken, haben von der eigentlichen Materie aber nur wenig Ahnung. Für potenzielle Kunden wird es so immer schwieriger, wirklich kompetente Dienstleister mit notwendigem Know-How zu finden.

Sicherheitslücken und fehlende Updates

Jedes WordPress-Plugin ist natürlich ein potenzielles Risiko für Sicherheitslücken und Hacker, die diese ausnutzen. Mit der großen Verbreitung von Page Buildern sind gerade diese ein attraktives Ziel. Dass auch WordPress-Plugins dieser Art keinesfalls sicher vor kritischen Sicherheitslücken sind, zeigen die Changelogs bekannter Plugins. In regelmäßigen Abständen werden nicht nur Bugs behoben, sondern auch kritische Sicherheitslecks gestopft.

Besonders kritisch: Page Builder, die beispielsweise im Paket mit einem WordPress-Theme von Marktplätzen wie ThemeForest daherkommen, erhalten in der Regel keine direkten Updates durch den Entwickler. Das bedeutet, dass der Entwickler des jeweiligen WordPress-Themes dafür verantwortlich ist, dass seine Kunden auch die neue Version des passenden Page Builders zeitnah erhalten.

Sicherheitslücke im WPBakery Page Builder

Was für ein Ausmaß eine Sicherheitslücke innerhalb eines Builders haben kann, zeigte sich im Oktober 2015. Der zu diesem Zeitpunkt wohl bekannteste WordPress Page Builder Visual Composer (heute: WPBakery) beinhaltete mehrere schwerwiegenden Sicherheitslücken. Angreifern war es dadurch möglich, Kontrolle über eine Website zu erhalten. 

Das Problem: Der Entwickler hatte die Sicherheitslücke zwar zeitnah geschlossen – Doch viele Template-Entwickler, die den Page Builder als Basis für ihre Themes verwendeten und deshalb im Paket mit dem Template kostenlos anboten, ließen sich Zeit oder aktualisierten den Page Builder schlichtweg gar nicht. Envato, das Unternehmen hinter ThemeForest, behalf sich damals einer Notlösung, um seine Nutzer vor gehackten WordPress-Installationen zu schützen.

Funktionen kosten Ladezeit

Es ist offensichtlich, dass der große Funktionsumfang bekannter Page Builder nur über viele Tausend Zeilen Code realisiert werden kann. Diese teilen sich in vielen Fällen auf verschiedenste Dateien (CSS und JavaScript) auf, die dann allesamt bei jedem einzelnen Seitenaufruf geladen werden müssen.

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Statistiken zeigten schon 2017, wie sehr Page Builder die Größe einer Website beeinflussen. Quelle: Primary Image

Gerade in Zeiten von mobilem Internet und dem Boom in der Ladezeitoptimierung weiß selbst der Laie, dass dies für die Performance einer Website ganz und gar nicht gut ist. Page Builder sorgen fast schon zwangsweise dafür, dass eine Website weniger schnell geladen wird als ohne jene Erweiterung. 

Zwar versuchen die Entwickler der bekanntesten Drag-and-Drop-Builder mit verschiedenen Tricks und Einstellungsmöglichkeiten, das Problem zu lösen, doch die Performance eines simplen WordPress-Themes ohne jegliche Erweiterung wird so kaum erreicht. Wer auf einen bekannten Page Builder setzt, sieht sich schnell gezwungen, die Nachteile in Sachen Geschwindigkeit mit einem WordPress-Plugin zur Ladezeitoptimierung (oder passendem WordPress-Hosting) auszumerzen. Arbeit, Kosten und mögliche Darstellungsprobleme inbegriffen.

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Einmal Page Builder, immer Page Builder

Eines der größten Probleme, die ein Page Builder mit sich bringt, wird einem erst bewusst, wenn man von jenem Builder abwenden möchte. Deaktiviert man einen solchen Baukasten nämlich, bleibt nicht mehr als ein Haufen Chaos übrig. So hinterlässt beispielsweise der WPBakery Page Builder nach der Deinstallationen Unmengen an kryptischen Shortcodes, aus denen jenes Plugin zuvor noch die ansprechenden Designs erstellte. Fehlt das Plugin, so kann WordPress diese Shortcodes nicht interpretieren und sämtliche Inhalte müssen von Hand wieder gerettet werden.

Auch ich habe während meiner Arbeit als WordPress-Freelancer viele Fälle erlebt, in denen Webseitenbetreiber plötzlich Unmengen Arbeit vor sich hatten. Wer sich einmal für einen bestimmten Page Builder entschieden hat, wird ordentlich Zeit investieren müssen, um seine Webseiteninhalte zu einem neuen Baukasten-Plugin oder gar einem WordPress-Theme ganz ohne Page Builder zu transferieren. 

Glücklicherweise haben aber einige Entwickler dieses Problem erkannt: So hinterlässt z.B. Elementor auch nach Deinstallation des Plugins sauberen, lesbaren Code.

Fazit: Page Builder sind super, aber…

Keine Frage: Mit dem Visual Composer, Elementor und Co. haben die dahinter stehenden Entwickler echt nützliche Plugins entworfen. Nie war es einfacher, selbst ohne großes Hintergrundwissen eine professionelle Website mit riesigem Funktionsumfang zu entwerfen. Die Websites sehen gut aus, sind in der Regel absolut konkurrenzfähig und lassen sich auch von Laien einfach bearbeiten.

Dennoch dürfen auf keinen Fall die Nachteile jener Drag-and-Drop-Builder außer Acht gelassen werden. Ebenso wie die Wahl des richtigen WordPress-Themes sollte also auch der Einsatz eines solchen WordPress-Plugins bedacht werden. Im Idealfall sollte immer ein erfahrener WordPress-Nutzer zu Rate gezogen und sich nicht allein auf die Arbeit der bekannten Page Builder verlassen werden.

Ich selbst versuche bei eigenen Projekten möglichst auf den Einsatz der beliebten Drag-and-Drop-Plugins zu verzichten. Für eigene Projekte setze ich in der Regel auf Eigenentwicklungen, um nicht nur meine persönlichen Ansprüche in Sachen Funktionalität ganz individuell zu befriedigen, sondern auch bestmögliche Ergebnisse in der Performance zu erreichen.

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Fotos: Burst | Pexels, Jungwoo Hong | Unsplash